Es gibt Bücher, die man erst dann versteht, wenn man eine bestimmte Menge Leben gelernt hat.

Ezra Pound



Drei Skizzen unter einem Schirm
Und ein Kleines Vorwort über das Genre Skizze


Freilich sind das hier geschriebene keine klassischen Novellen. Aber neu im Sinne von Nova isses schon was ich hier über Fontane vortrage. In echt sind es nur Skizzen. Ich mag die Kürze. Als Journalist ist man gezwungen sich nicht zu sehr auszubreiten. Und – was lernt man an der Journalistenschule oder Uni als erstes- KÜRZEN! Da ist man mal, meistens sogar, so oder so am KÜRZEN dran. Und warum nicht eigene Texte gleich kurz halten? Nun sind es drei Skizzen über Fontane geworden, die hier „kürzlichst“ daherkommen, nicht etwa als ausgewalzte Novellen romanhafter Art wie sie uns der Meister des Metiers selbst vorlegte vor über 100 Jahren.
Also, ich reiste auf den Spuren des Dichters. Ich wanderte nicht durch die Mark Brandenburg, nein, ich suchte in Swinemünde an der Ostsee das vermeintliche Chinesen-Grab aus „Effi Briest“. Kennen sie nicht? Na, dann fix mal das Buch zur Hand genommen. Aber erst meinen Text lesen!
Ich fand das Grab natürlich nicht. Aber - das soll es tatsächlich mal gegeben haben. Ich fand aber andere interessante Plätze die mit der Kindheit des Theo F. in engerem Zusammenhang stehen. Unter anderem den Platz wo seines Vaters Apotheke stand. Dort ist heute ein Kaffeehaus. Und dort wiederrum traf ich einen echten Chinesen, einen Herrn der… ja, der mir mysteriöse Dinge verriet. Aber bitte, lest es doch selber! Übrigens, Swinemünde ist heute polnisch, im Effiroman heißt der Ort der Handlung Kessin.
In der zweiten Skizze geht es wieder um Swinemünde und den werdenden, den heranwachsenden, kleenen Theo. Der erwartet den Deutschen Oberdichter GOETHE am Hafen. Der aber kommt nie. Zu alt ist jener schon, obgleich der Dichter zu Weimar noch fleißig am FAUST II herum bosselt, schreibt und schreibt. Noch sind sie paar Jährchen Zeitgenossen, Fontane ist Schüler der Grundschule und Goethe so um die Achtzig. Dem ist allerdings die Ostsee suspekt und nie ein Ziel für ihn gewesen, zu weit, zu kalt zu uninteressant… Wir wissen er liebte Italien und Wärme.
Das alles wurmt den Kleinen Theo, der zwar Schiller mag, aber dennoch wird er Weimar nie einen richtigen Besuch abstatten, obgleich er zigmal in seinem Leben, dann schon mit der Eisenbahn, dorthin hätte fahren können. Er tat es wohl oder übel nur einmal! Klein Theo wurde dennoch Dichter/Schriftsteller und ist längst fast so bekannt wie der Weimarer Oberdichter. Und das trotz der Warnung seines Apothekervaters. Auch hier, bitte, macht euch selber ein Bild oder wenigstens eigene Gedanken um diese Skizze.
Fontane war bekanntlich ein Weitgereister, hat in der Mitte seines Lebens sogar längere Zeit in LONDON gelebt. Und hier knüpfen wir mal direkt an meine UND-Novelle an, die ja letztlich auch nur eine Skizze, eine Momentaufnahme mit Erinnerung ist. Hier wird es richtig spannend. Denn hier, direkt an der Themse treffe ich einen mit Regenschirm „bewaffneten“ Herrn mit Künstlernamen „Umbrella“ der mir eine schier unglaubliche Story erzählt. Nicht über Regenschirme, sondern über geheime Machenschaften aus jenen London-Tagen unseres Theodor Fontane. Und wir wissen ja, London war in den Jahren nach 1848 das Sammelbecken revolutionärer Migranten, von denen Marx und Engels allerdings die bekanntesten waren. Hinzu gesellte sich stets ein Journalist mit Namen BAUER, ein Agent für die dänische Regierung: Der wollte aus unseren Preußen Fontane auch einen geheimen „IM“ für die Dänen und Sachsen machen. Doch, das wollte der, ist aktenkundig!
Und einen Regenschirm brauchte unser Theo auch. Hier war aber das Wetter schuld. Das wiederrum verrät uns seine Ehefrau auf pointierte, poetische Art und Weise. Aber bittschön, wie bei den zwei anderen Skizzen auch: Macht euch ein eigenes Bild, lest was ich herausfand, und wer möchte kann es ja getrost ergänzen, dazu eignen sich Skizzen ja, sie sind keine fertigen, gelackten oder gefirnissten „Gemälde“, in unserem Falle keine dicken, abgeschlossenen Novellen, und Romane halt noch lange nicht!
Insofern bleib ich mir treu. In der Kürze liegt die Würze. Das Unfertige hat immer seinen eigenen Reiz, ob nun in der Bilderkunst oder in der Schreiberei. Ein fertiges Bild, ein Gemälde, und in der Literatur ein Roman ist unabänderlich. Die Skizze aber ist so zu einem eigenen lockeren Plauder-Genre geworden. Bis demnächst also, Und bleibt neugierig, bis mir wieder was Neues einfällt. Vielleicht schon bald - auf meiner nächsten Reise hoch nach Schottland, natürlich auch auf Fontanes Spuren.
Udo Klingner

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